Es war noch früh, als die Sonne den Horizont gerade erst mit ihren rosafarbenen Fingern berührte. In dieser leuchtenden Stille schwebte Chibuh – ein kleiner, rundlicher Vogel mit himmelblauen Federn und Augen so groß wie Monde – über die weichen Hügel des Flüsterlands.

Er flog nicht schnell, nicht langsam – sondern in genau dem Tempo, in dem man träumen kann.

Der Wind streichelte ihm sanft die Flügel, und mit jeder Böe fühlte es sich ein bisschen so an, als würde er von einer Geschichte getragen. Und das war auch kein Wunder, denn Chibuh war ein Träumer. Nicht bloß in der Nacht, sondern auch am Tag.

 

Während er durch das Morgenlicht glitt, begannen sich seine Gedanken zu verirren – auf die schönste Weise.

 

Er dachte an Suki, das Spinnenmädchen mit den vielen kuschelweichen Beinen und dem schüchternen Lächeln. An ihre Sammlung aus Glitzerknöpfen und wie sie Geschichten weben konnte, in denen selbst die Wolken leise klatschten.

Er dachte an den kleinen Fluschel, wie er in seinem Unsinn-Shop stand und bunte Pusteblumenkekse verkaufte, die beim Kauen lachen konnten.

 

Und irgendwo in seinem Herzen erinnerte er sich auch an Piwill, der ihn neulich gefragt hatte:

„Chibuh, glaubst du eigentlich, dass Träume irgendwo hingehen, wenn wir sie vergessen?“

Chibuh hatte geantwortet:

„Vielleicht fliegen sie einfach weiter – wie ich.“

 

Und nun flog er, ganz still. Und um ihn herum formten sich in den Wolken Gesichter und Figuren – Suki, Fluschel, sogar ein kleiner Pustekeks, der ihm zuzwinkerte.

Chibuh seufzte lächelnd.

Nicht aus Traurigkeit. Sondern aus dieser ganz besonderen Art von Freude, die sich wie warmer Wind unter die Flügel legt.

 

Denn wenn Träume fliegen können – dann war Chibuh einer von ihnen.

 

Und irgendwo weit unter ihm begannen zwei Kinder sich im Schlaf zu drehen, lächelten leicht – und flüsterten fast gleichzeitig im Halbschlaf:

„Chibuh…“