(Ein  Fluschel-Abenteuer im Flüsterwald)

1

Die Sonne kitzelte den Flüsterwald ganz sanft wach. Ihre goldenen Finger streckten sich durch die Baumwipfel und klopften leise an Fluschels winziges Baumhaus, das kaum höher lag als ein Stapel Pfannkuchen. In seiner Hängematte, eingerollt wie ein Schokoladencroissant, schnarchte Fluschel leise vor sich hin. Schnurpf. Schnarch. Glitzerpups.

Ein warmer Schokoladenduft zog durch das runde Fenster, denn der Toaster hatte gerade begonnen, Fluschels liebste Morgenschokolade zu rösten – jawohl, geröstete Schokolade. Knusprig außen, schmelzend innen. Neben dem Toaster stand ein Glas Milch (in Sicherheit gebracht, bevor Fluschel’s Tollpatschigkeit wieder Kühlschranktüren auf Abwege führte).

Mit einem Gähnen, das fast wie ein Lied klang, schaukelte Fluschel sich selbst wach. Er kletterte aus der Hängematte und streckte sich bis zur Nasenspitze. „Guten Morgen, Welt! Guten Morgen, Milch! Guten Morgen, … Idee?“

 

Denn genau in diesem Moment, als der erste Bissen der Frühstücksschokolade seine Zunge küsste, fiel ein dicker Tropfen Regen auf das Fensterbrett. Platsch. Fluschel spähte hinaus. „Regen?“ murmelte er, „Schon wieder Wasser. Immer nur Wasser! Dabei könnte Regen doch so viel leckerer sein!“

Er starrte in den Himmel, wo die Wolken wie schlafende Schafe am Himmel hingen. Und dann — Zing! — machte es in seinem Kopf PLOPP! wie ein Pudding, der in eine Schüssel fällt.

„Was wäre, wenn … die Wolken lernen würden, Pudding zu regnen?“ flüsterte Fluschel ehrfürchtig, während er langsam aufstand, sich den Schokoladenbart abwischte und entschlossen zur Tür tappste. „Heute ist ein sehr guter Tag, um den Himmel ein bisschen süßer zu machen.“

So begann Fluschels Abenteuer.

Mit einem Tropfen.

Einer Idee.

Und sehr viel Pudding im Kopf.

2

Fluschel polterte aus seiner Mini-Tür, die sich mit einem leisen Pling! öffnete – das war die Teetassenglocke über dem Eingang. Er schwang sich in seine Gummistiefel (die eigentlich aus Marzipan waren, aber er trug sie trotzdem, wenn der Boden zu feucht war) und marschierte los – mit breiter Brust und einem glucksenden Glanz in den Augen.

„Ich bring den Wolken das Puddingregnen bei!“, murmelte er vor sich hin, immer wieder. „Pudding! Zum Schlürfen! Zum Lachen! Zum Tanzen mit dem Mund!“

Noch bevor er das Brombeerbusch-Eck erreicht hatte, hörte er ein Kichern. Zwei Kinder standen dort:

Ethal, ein Junge mit Sommersprossen und einer Jacke, die immer ein bisschen zu groß war, und

Mira, seine beste Freundin, die oft auf einem Bein stand, einfach, weil es ihr besser gefiel als zwei.

„Fluschel!“, rief Mira, „Was hast du denn wieder vor? Deine Mähne steht ja wie eine explodierte Sahnetorte!“

Fluschel wirbelte herum, strahlte sie an, und seine Stimme zitterte fast vor Begeisterung.

„Kinder! Ich… ich hab’s! Ich hatte gerade die... allerbeste Idee meines Lebens!“

Er machte eine Pause, nur um noch ein bisschen dramatischer zu wirken. Dann fuhr er fort:

„Puddingregen!“ rief er.

„Was?“ fragte Ethal.

„Puddingregen!“ wiederholte Fluschel, noch lauter.

„Statt Wasser. Statt Tropfen. Statt Langeweile. Die Wolken sollen lernen, wie man Pudding regnet! Ich werd ihnen das beibringen. Mit Löffeln. Und Zauberliedern. Und… vielleicht mit irgendeinem Ding.“

Mira blinzelte. Ethal legte den Kopf schief.

Dann grinsten sie. Breit. Breiter. Fluschel-kompatibel.

„Das klingt nach der flauschigsten Idee der Welt“, sagte Mira.

„Aber… hast du denn schon mal mit einer Wolke geredet?“ fragte Ethal.

Fluschel nickte energisch.

„Nicht mit Worten. Aber einmal hab ich einem Wolkenwuschel eine Postkarte geschickt. Hat nie geantwortet. Aber ich glaube, sie hat’s gelesen – es hat am nächsten Tag ein bisschen nach Vanille gerochen!“

Mira hüpfte auf der Stelle. Ethal zog eine kleine Taschenrakete aus seiner Jackentasche – die hatte er immer dabei, für Notfälle und Fantasieabkürzungen.

„Komm, Fluschel“, sagte Ethal, „wir helfen dir. Wenn jemand den Himmel in einen Puddingtopf verwandeln kann, dann du!“

 

Fluschel leuchtete vor Freude – sogar sein Horn machte ein leises Pling!

Und so stapften sie los, durch moosige Wege und Wurzelpfade, um den Wolken von Fluschels Unsinn zu erzählen...

3

Sie waren noch keine drei Pusteblumen weit gekommen, da blieb Fluschel plötzlich stehen.

Er riss die Augen auf, als hätte ihn ein sprechender Gänseblümchenstrauch erschreckt (was schon mal vorkam).

„Ach du Schokoladenschnecke… Ich kann doch gar nicht zu den Wolken HOCH!“

 

Ethal und Mira hielten inne.

„Wegen… deiner Höhenangst?“, fragte Mira vorsichtig.

Fluschel nickte heftig. Sein Horn vibrierte vor innerer Aufregung.

„Wenn ich nur zehn Zentimeter über dem Boden bin, kribbelt mein Bauch wie Brausepulver! Ich krieg weiche Knie und Matchige Pupsgedanken.“

Ethal überlegte. „Dann müssten die Wolken halt zu dir runterkommen.“

Fluschel blickte ihn mit einem Blinzeln an – als hätte Ethal gerade den Stein der Maisen erfunden (das ist so eine Vogel-Sache; hat was mit Knödel zu tun).

„Richtig! Ethal, du bist ein Unsinn-poet! Ich locke die Wolken einfach runter!“

 

Dann begann Fluschel zu zappeln wie ein Zimtkrümel im Wind.

„Schnell! Zurück zum Unsinn Shop! Ich hab da etwas… ich wusste nie, wozu es gut ist. Aber vielleicht – ganz vielleicht – ist es ein… Wolkenlock-Ding!“

Sie rannten zurück durch den Flüsterwald. Fluschel sprang über eine Wurzel und verhedderte sich fast in seinem eigenen Schweif. Ethal schnappte sich Mira an der Hand, und sie hopsten hinterher, durch duftende Kräuterbeete und einem Spinnennetz, das aussah wie ein Lächeln.

 

Der Unsinn Shop war gut versteckt – wie immer. Zwischen zwei Farnen, die schnarchten, wenn man sie nicht beachtete.

Fluschel tippte gegen einen moosigen Ast, flüsterte:

„Schokobong, lass mich rein, der Unsinn ist schon im Gange.“

Zzzwwuuuuusch!

Die Tür öffnete sich mit einem Knarren – und sie betraten den Laden.

Drinnen duftete es nach Zaubertinte, alten Keksbüchern und der Ahnung von Abenteuern. Die Regale waren vollgestopft mit Dingen, die kein normaler Mensch brauchte – aber jeder haben wollte:

Wackelpinsel, Flüstermützen, Gähnkäferfallen, ein selbstlaufender Löffel, viereckige Murmeln, Bannenbrot in Dosen und allerhand anderem Unsinn.

Fluschel sprang auf einen Hocker, der sich ständig selbst dreht, und griff oben in ein verstaubtes Regal mit der Aufschrift:

„Vielleicht-Magie – auf eigene Gefahr.“

Er zog eine verbeulte Tröte hervor, die wie eine Mischung aus Gießkanne und Flöte aussah.

„TADA!“ rief er triumphierend. „Das ist sie! Ich nannte sie damals Wolkofon – weil sie beim Draufpusten klingt wie ein seufzender Wind. Ich glaub, sie schmeckt den Wolken. Oder kitzelt sie. Oder… weckt sie aus dem Nickerchen!“

Ethal nahm das Ding und hielt es prüfend an sein Ohr.

„Brrrrr–brufffffffff–wuuuuumpf“, machte es.

 

„Es klingt wie eine nasse Trompete, die auf einem Klumpen Fritten-Fett ausrutscht“, meinte Mira, fasziniert.

„Genau!“, rief Fluschel. „Und das ist ein Kompliment! Kommt, Kinder – wir gehen raus auf die Lichtung. Heute wird gepfiffen, bis der Himmel sabbert!“

 

Und mit einem glühenden Blick und einem Wolkofon unterm Arm stapfte Fluschel hinaus – bereit, den Himmel zum Nachtisch zu überreden.

4

Die Lichtung im Herzen des Flüsterwalds war wie gemacht für himmlische Experimente.

Die Grashalme dort waren besonders weich, weil sie sich nachts heimlich in Klee einrollen. In der Mitte der Wiese stand ein alter, verwitterter Baumstumpf, der aussah wie ein riesiger Puddinglöffel. Und über all dem spannte sich der Himmel – heute ganz zartblau, mit ein paar schüchternen Wolken, die sich gerade langweilten.

Fluschel stellte das Wolkofon mitten auf die Lichtung. Es glitzerte leicht in der Sonne und vibrierte ein bisschen, als wäre es schon vorfreudig.

„So! Jetzt… huff… jetzt pusten wir die Puddingwolken runter!“, japste Fluschel. Seine Mähne war zerzaust, seine Hufe voller Gras und seine Zunge hing wie ein nasser Lappen aus dem Maul.

„Du brauchst eine Pause, Fluschel“, lachte Mira.

„Gib her, ich fang an.“

Sie setzte das Wolkofon an den Mund – was gar nicht so einfach war, denn es hatte fünf verschiedene Öffnungen, einen kleinen Propeller und einen Knopf, den man gleichzeitig streicheln musste.

Dann pustete sie.

WWRRRUUUUUFFFF

 

„Da! Sie hat sich bewegt!“, rief Ethal aufgeregt.

„Oder Hat beim Nickerchen gepupst“, murmelte Mira – und pustete noch einmal.

Jetzt war Ethal dran. Er blies so kräftig ins Wolkofon, dass ihm fast die Mütze vom Kopf flog.

PUFFF—pläng—WIBBEL!

 

Ganz langsam… glitt eine watteweiße Wolke näher heran.

Sie schwebte neugierig, fast schnuppernd über die Lichtung – wie ein großes Schaf mit unsichtbaren Beinen. 

„JA! Sie kommen! Sie kommen wirklich!“ quietschte Fluschel – dann verschluckte er sich fast an seiner eigenen Aufregung.

„Ich muss ihnen gleich erzählen, wie man Pudding richtig rührt! Vanille zuerst, dann der Tanz, dann das Glitzerpulver – Kinder, habt ihr das Glitzerpulver dabei?! Und die Schokosauce?! Und… und… oh, ich glaub ich… pfffft.“

Fluschel fiel rückwärts ins Gras, keuchend und glücklich.

Mira grinste, während sie ihm eine kühle Brombeere auf die Stirn legte.

„Ruh dich aus, großer Unsinnsdirigent. Wir übernehmen das Wolkofon für dich.“

 

Oben am Himmel zogen sich inzwischen weitere Wolken zusammen. Eine war besonders dick und rund, wie ein Topf voll Butter. Eine andere glitzerte ein kleines bisschen, obwohl keine Sonne draufschien.

Ethal hob das Wolkofon ein letztes Mal und blies eine Melodie, die nur Kinder und Wolken hören konnten.

Und dann geschah es:

Die dicke Wolke senkte sich ganz langsam – so tief, dass die Luft Feucht wurde.

Da war ein Duft… der roch verdächtig nach Karamellpudding.

5

Fluschel stand wieder auf den Beinen. Seine Mähne war voller Gänseblümchen, und ein Kleeblatt klebte an seiner Stirn. Aber er sah entschlossen aus. Hochkonzentriert. Einhörnchen-ernst.

„Jetzt kommt der wichtige Teil!“, sagte er feierlich.

„Der Teil, den nur ich machen kann.“

 

Mira und Ethal blickten sich verwundert an.

„Warum?“, fragte Ethal.

„Weil…“, begann Fluschel und hielt bedeutungsvoll inne, „...ich ihre Sprache spreche.“

Er sah sie mit einem Blick an, der so geheimnisvoll war wie ein Doppelkeks mit drittem Keks drin.

Dann drehte er sich um und… begann zu rennen. Von Wolke zu Wolke zu Wolke.

Er sprang. Er huschte. Er flitzte. Immer mit flatterndem Schweif und glitzernden Hufen, als würde er auf Wellen tanzen.

Und bei jeder Wolke…

… beugte er sich ganz nah heran.

… legte sein Ohr gegen das wattige Weiß.

… und flüsterte etwas hinein.

 

Keiner konnte hören, was.

Aber jedes Mal, nachdem Fluschel geflüstert hatte, bebte die Wolke leicht. Manche glucksten sogar. Eine fing an zu glitzern. Und dann: schwupp! – sie schwebte davon, langsam und würdevoll, als wäre sie zu einer geheimen Party geladen.

Eine nach der anderen.

Fluschel flüsterte – die Wolken verschwanden.

 

Mira trat näher zu Ethal.

„Was macht er da? Das sieht aus als wäre er Verrückt geworden... also... noch verrückter.“

„Ich glaub, er... verzaubert sie“, flüsterte Ethal nachdenklich.

 

Endlich kam Fluschel zurück. Er war völlig außer Atem, seine Hufe dampften leicht, und sein Horn war ganz rosa.

Aber er grinste. Breit. Geheimnisvoll. Wackelpudding-mäßig.

Ethal sprang ihm entgegen.

„Was hast du ihnen gesagt, Fluschel?! Was hast du geflüstert?!“

„Ja, komm schon!“, rief Mira. „Ich hab gesehen, dass eine von ihnen gelacht hat! Was war das für ein Zauberspruch?“

 

Fluschel setzte sich ins Gras, verschränkte die Vorderbeine und schaute in den Himmel – der war jetzt leer. Fast ein bisschen zu leer.

Dann sagte er:

„Ich… darf’s nicht sagen.“

Die Kinder schauten sich empört an.

 

„Waaaas?!“, rief Ethal.

„Du musst! Wir haben das Wolkofon gepustet! Und ich hab mir ein Bein fast mit Glitzer eingerieben, nur damit sie dich überhaupt anhören!“

Fluschel zwinkerte.

„Es ist ein Puddinggeheimnis. Und nur wer's erzählt, wird vom nächsten Puddingregen ausgeschlossen. Das steht im… äh… Wolkenfreundevertrag.“

Mira verschränkte die Arme. „Du erfindest das doch gerade!“

„Natürlich tu ich das“, grinste Fluschel. „Aber wenn ihr wirklich wissen wollt, was ich gesagt habe…“

Die Kinder hielten den Atem an.

„…dann müsst ihr warten, bis es regnet.“

Er kicherte. „Wenn der erste Tropfen süß nach Zucker schmeckt – dann wisst ihr’s.“

 

Ethal schüttelte lachend den Kopf. Mira warf sich rücklings ins Gras und starrte in den Himmel.

„Na gut, Fluschel. Dann warte ich eben auf Puddingwetter.“

6

Der Himmel hatte sich zum Abend hin wie eine warme Decke gefaltet. Die Wolken waren verschwunden, doch in der Luft hing etwas Süßes. Etwas… Versprochenes.

Ethal und Mira machten sich auf den Heimweg, noch immer lachend über Fluschels Geheimgesäusel.

„Wenn’s morgen nach Zucker schmeckt , wissen wir’s!“, rief Ethal ungläubig  über die Schulter.

„Oder nach Pudding!“, kicherte Mira. „Oder vielleicht nach gebackener Theatermilch!“

Fluschel winkte ihnen hinterher – mit einem Müdegrinsen und Schokoriegeln in den Gedanken.

 

Er trottete zurück in sein Baumhaus.

Keine vier Zentimeter über dem Boden schwebte es, liebevoll gebaut aus Rindenholz, Spinnennetzschnur und einem halben Regenschirm. Drinnen: seine Hängematte – weich wie geschmolzene Watte, gespannt zwischen zwei Bücherregalen.

Fluschel kletterte hinein, ließ sich hineinsinken, seufzte leise.

 

Ein Windhauch zog durch das offene Fenster.

Er roch nach Sternenstaub und… ja… vielleicht sogar ein Hauch von Vanille.

 

Die Hängematte schaukelte ganz sacht.

Fluschel blinzelte. Die Lider wurden schwer. Seine Gedanken kuschelig…

Und dann sah er ihn:

Piwill.

Mitten im Himmel aus Traum und Dunkel, mit einem schelmischen Zwinkern, das bis ins Herz kitzelte.

Piwill, mit einem glitzernden Löffel in der Hand, tanzte zwischen zwei Wolken, pustete auf eine dritte – und plötzlich begann sie zu tropfen.

Tropf.

Tropf.

Pudding.

Fluschel wollte rufen, lachen, aufspringen – doch der Schlaf zog ihn tiefer.

---

Am nächsten Morgen.

 

Ein leises Plopp weckte ihn.

Dann noch eins. Und noch eins.

Fluschel rieb sich die Augen. Stand auf. Tappte zur Tür. Und… blieb wie festgenagelt stehen.

 

Es regnete.

Aber nicht gewöhnlich.

Die Tropfen waren dick, cremig, zart karamellfarben – sie klatschten auf die Blätter mit einem blubb, sammelten sich in Blütenkelchen und rannen an den Baumrinden entlang.

 

Pudding.

 

Fluschel sog die Luft ein – Vanille, Kakao, Karamell, eine Prise Zimt, Schokosauce...

Draußen auf der Lichtung liefen Ethal und Mira bereits herum, Arme ausgestreckt, Münder offen, lachend, tanzend.

Ihre Haare klebten, ihre Nasen glänzten, ihre Finger waren puddingverklebte Beweisstücke für ein Wunder.

„Es regnet Pudding!“, schrie Mira.

„Pudding!“, kreischte Ethal.

„DU hast es geschafft, Fluschel!“

 

Fluschel sprang aus seiner Hängematte, seine Hufe versanken leicht im weichen Waldboden.

Er hob den Kopf in den Himmel, lächelte…

… und sagte leise:

„Ich hab’s ihnen nur erinnert, der rest war ein anderer Zauber.“

 

Dann streckte er die Zunge raus – und fing einen Tropfen.

Schokoladig. Warm.

Wie ein Traum, der schmeckt.

 

Und wie er da stand, inmitten von lachenden Kindern, einem tanzenden Wald und Pudding vom Himmel, da wusste Fluschel:

Unsinn ist manchmal einfach das beste.

7

Der Regen ließ so plötzlich nach, wie er begonnen hatte.

Die letzten Tropfen plumpsten weich auf die Lichtung und hinterließen kleine Puddingpfützen, in denen sich der Himmel spiegelte.

Mira schleckte sich lachend die Lippen ab.

Ethal versuchte, einen Löffel aus einem Blatt zu basteln.

 

Da kam ein leises tripp trapp durchs Gras.

Es war Ani, Ethals kleine Schwester – kaum größer als ein Kürbis, mit einem Lächeln so breit wie ein Regenbogen.

„Ich habs gesehen, es regnet Pudding!“, rief sie aufgeregt. „Aber Mama sagt, ich darf nicht zu viel naschen vorm Spielplatz!“

„Nur ein Tröpfchen!“, rief Mira und füllte ihr vorsichtig einen Klecks auf den Handrücken.

Ani quietschte vor Freude, leckte es genüsslich ab und flitzte dann kichernd weiter.

 

Für einen Moment wurde es still auf der Lichtung.

 

Die Sonne kam durch. Ein Schmetterling landete auf Fluschels Ohr.

Und Mira – noch immer lachend – trat nah an Ethal heran, hob den Zeigefinger…

… und malte ihm mit schokoladenverklebtem Finger ein kleines, klebriges Herz auf die Brust.

 

Ethal schaute überrascht. Dann grinste er.

Nicht albern. Ein echtes, warmes Grinsen.

Ethal lächelte sich ins Herz und wurde ein klein bisschen rosig um die Wangen, denn er wusste genau, was das bedeutet.

Fluschel hüpfte in seine Hängematte und sah wie ein Einhornbaby aus... dann schloss er die Augen...