Ganz hinten im Unsinn-Shop, wo die Regalreihen krumm wie Regenbögen stehen und Bonbons manchmal rückwärts sprechen, wohnt jemand, den fast niemand bemerkt:

Ein kleiner, grüner Frosch mit einer Brille, die ein bisschen zu groß für sein Gesicht ist.

Er heißt Baldrian.

Und obwohl der Name nach Schlaftee klingt, ist Baldrian meistens hellwach – besonders nachts.

 

Tagsüber versteckt er sich zwischen alten Bilderbüchern, flüsternden Wörterbüchern und halbausgedachten Lexika, die nur am 3. Mittwoch des Monats Sinn ergeben.

Wenn Leute durch den Shop stromern, schiebt er sich kaum über den Buchrückenrand.

Denn Baldrian ist super schüchtern.

So schüchtern, dass er einmal fast geplatzt wäre, als Piwill ihm aus Versehen „Hallo!“ gesagt hat.

 

Aber nachts – da erwacht Baldrians kleines Herz zu einer besonders leisen Art von Mut.

Dann zieht er seine Brille zurecht (die trägt er übrigens nur, weil sie ihn sich schlau fühlen lässt), holt sein geheimes Notizbuch aus dem Keksregal – und übt japanisch.

Warum?

Weil er verliebt ist. In Suki.

Suki, das Plüsch-Spinnenmädchen, das leise lacht, wenn niemand hinschaut.

Suki, die Worte mit Seide spinnt und Gedichte aus Schüchternheit basteln kann.

 

Baldrian hat sie mal belauscht, wie sie im Schlaf auf Japanisch gezählt hat:

„Ichi, ni, san…“

Seitdem lernt er. Jeden Abend ein bisschen mehr.

 

Er träumt davon, ihr eines Tages eine Karte zu schreiben – ganz auf Japanisch:

「すきです。」– Ich mag dich.

(Sukidesu)

Aber noch traut er sich nicht. Noch versteckt er sich hinter Buchrücken, zwischen Poesie und Wissensschnipseln.

Doch Piwill hat ihn schon beobachtet – und lächelt dabei.

Denn er weiß: Die schüchternsten Träume sind manchmal ganz schön mutig.

 

Und wer weiß – vielleicht stolpert Suki ja bald über ein ganz bestimmtes Buch im Regal.

Eins, das plötzlich flüstert:

„Konbanwa, Suki-chan…“